Photovoltaik: Welches Dach ist geeignet?

Der Wunsch nach eigener Stromproduktion wird immer größer. Die Energiepreise steigen, der Klimaschutz rückt stärker in den Fokus und die Technologie ist ausgereift. Viele Hausbesitzer spielen deshalb mit dem Gedanken, auf erneuerbare Energien zu setzen. Doch bevor die erste Solarzelle aufs Dach kommt, stellt sich eine zentrale Frage: Ist das eigene Dach überhaupt geeignet? Nicht jedes Steildach oder Flachdach bietet die gleichen Voraussetzungen für eine Photovoltaikanlage. Ausrichtung, Neigung, Material und Tragfähigkeit spielen eine wichtige Rolle. Wir zeigen Ihnen, worauf es ankommt und wie Sie herausfinden, ob Ihr Dach für Photovoltaik geeignet ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Ausrichtung nach Süden und ein Neigungswinkel zwischen 30° und 40° bieten optimale Bedingungen für hohe Erträge.
  • Flachdächer, Satteldächer und Pultdächer sind grundsätzlich für Photovoltaik geeignet, unterscheiden sich aber in Montage und Ertragspotenzial.
  • Das Dachmaterial beeinflusst die Installation und Kosten, wobei Ziegel und Metall besonders gut geeignet sind.
  • Schatten durch Bäume oder Nachbargebäude können den Ertrag erheblich mindern und sollten vor der Planung geprüft werden.

Grundlegende Anforderungen an ein PV-geeignetes Dach

Damit eine Photovoltaikanlage wirtschaftlich arbeitet, muss das Dach bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Die Ausrichtung ist dabei ein entscheidender Faktor. Ideal ist eine Südausrichtung, da hier die Sonneneinstrahlung über den Tag am höchsten ist. Doch auch Dächer mit Ost-West-Ausrichtung können sich lohnen, vor allem wenn der Eigenverbrauch im Vordergrund steht.

Der Neigungswinkel der Dachfläche beeinflusst ebenfalls die Leistung. Ein Winkel zwischen 30° und 40° gilt als optimal für maximale Stromerträge. Flachdächer bieten den Vorteil, dass die Solarmodule über Aufständerungen individuell ausgerichtet werden können.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Schattenfreiheit. Selbst kleine Verschattungen durch Schornsteine, Satellitenschüsseln oder nahestehende Bäume können die Leistung der gesamten Anlage reduzieren. Deshalb sollte die Dachfläche möglichst den ganzen Tag über unverschattet sein.

Nicht zuletzt spielt die Tragfähigkeit eine Rolle. Die zusätzliche Last durch Solarmodule und Montagesystem beträgt je nach System etwa 15 bis 25 kg/m². Ältere Dachkonstruktionen sollten vor der Installation von einem Fachmann geprüft werden, um Schäden zu vermeiden.

Dachtypen und ihre Eignung für Photovoltaik

Je nach Bauweise und Form des Dachs ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten für die Montage einer Solaranlage. Die gängigsten Dachtypen haben jeweils spezifische Vor- und Nachteile:

DachtypVorteileNachteile
Flachdachflexible Ausrichtung der Module, einfache Wartung, geringe MontagekostenAufständerung erforderlich, höherer Platzbedarf, mögliche Windlasten
Satteldachoptimale Neigung oft vorhanden, großflächige Belegung möglich, stabile Montagenur eine Dachseite ideal ausgerichtet, Dachgauben können stören
Pultdachgroße zusammenhängende Fläche, bei Südausrichtung hoher Ertragnur eine nutzbare Seite, Neigung nicht immer optimal
Walmdachmehrere Flächen nutzbar, gute Gesamtleistung bei geschickter Planungkomplexere Installation, höhere Kosten durch mehrere Teilflächen
Vor- und Nachteile verschiedener Dachtypen bzgl. Eignung für Photovoltaik

Einfluss von Material und Beschaffenheit des Dachs

Das Dachmaterial hat direkten Einfluss auf die Art der Montage und die damit verbundenen Kosten. Nicht jedes Material eignet sich gleich gut für die Installation von Solarmodulen.

Eigenschaften der wichtigsten Dachmaterialien im Überblick:

  • Ziegeldach: sehr gut geeignet, Dachhaken lassen sich einfach befestigen, lange Haltbarkeit, häufigste Dachform bei Einfamilienhäusern
  • Metalldach (Trapezblech, Stehfalz): hervorragend für Photovoltaik, direkte Befestigung ohne Durchdringung möglich, geringe Montagekosten, sehr langlebig
  • Bitumendach: häufig auf Flachdächern, Montage über ballastierte Systeme ohne Dachdurchdringung, muss ausreichend tragfähig sein
  • Schieferdach: Installation möglich, aber aufwendiger und teurer, da das Material empfindlicher ist und spezielle Befestigungen erfordert
  • Reetdach: ungeeignet für konventionelle Photovoltaik, Brandschutz und statische Anforderungen sind problematisch

Neben dem Material spielt auch der Zustand des Dachs eine Rolle. Wenn das Dach in den nächsten Jahren saniert werden muss, sollte die Photovoltaikanlage besser nach der Sanierung installiert werden. Ein Abbau und Wiederaufbau der Solarmodule verursacht zusätzliche Kosten.

Berücksichtigung von Schattenwurf und Umgebung

Selbst bei idealer Ausrichtung und Neigung kann Schattenwurf die Leistung einer Photovoltaikanlage erheblich beeinträchtigen. Bereits eine teilweise Verschattung einzelner Module führt dazu, dass die gesamte Anlage weniger Strom produziert.

Häufige Schattenquellen sind nahestehende Bäume, Nachbargebäude, Schornsteine, Antennen oder Dachaufbauten. Besonders kritisch sind Schatten am Vormittag und Nachmittag, wenn die Sonne noch nicht im Zenit steht. Eine Verschattungsanalyse im Vorfeld hilft dabei, problematische Bereiche zu identifizieren.

In manchen Fällen lassen sich Verschattungen nicht vollständig vermeiden. Dann können Optimierer oder Mikro-Wechselrichter helfen, die Verluste zu minimieren. Diese Technologien sorgen dafür, dass jedes Modul unabhängig arbeitet und nicht die gesamte Anlage durch ein einzelnes verschattetes Modul beeinträchtigt wird.

Auch die geografische Lage und klimatischen Bedingungen spielen eine Rolle. In schneereichen Regionen sollte darauf geachtet werden, dass die Solarmodule steil genug geneigt sind, damit Schnee abrutschen kann. Ansonsten kann die Photovoltaik im Winter deutlich weniger Ertrag liefern.

Technische und rechtliche Aspekte

Vor der Installation einer Photovoltaikanlage müssen verschiedene technische Prüfungen durchgeführt werden. Dazu gehört die Überprüfung der Statik, insbesondere bei älteren Gebäuden. Ein Statiker kann beurteilen, ob die Dachkonstruktion die zusätzliche Last tragen kann.

Auch die elektrische Infrastruktur muss geprüft werden. Der Hausanschluss und der Zählerschrank sollten für die Einspeisung des Solarstroms geeignet sein. In vielen Fällen ist ein Austausch des Zählers erforderlich, um den eingespeisten und verbrauchten Strom korrekt zu erfassen.

Rechtlich gibt es ebenfalls einiges zu beachten. Für die meisten Photovoltaikanlagen ist keine Baugenehmigung erforderlich, aber es gibt Ausnahmen. In denkmalgeschützten Gebäuden oder in bestimmten Bebauungsgebieten können Einschränkungen gelten. Eine Rücksprache mit der zuständigen Baubehörde ist daher sinnvoll.

Außerdem muss die Anlage beim Netzbetreiber angemeldet werden. Dieser prüft, ob das lokale Stromnetz die Einspeisung aufnehmen kann. Auch eine Eintragung ins Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur ist verpflichtend.

Fazit

Die Wahl des richtigen Dachs ist entscheidend für die Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Lebensdauer einer Photovoltaikanlage. Ausrichtung, Neigung, Material und Schattenfreiheit beeinflussen den Ertrag maßgeblich. Während Süddächer mit 30° bis 40° Neigung ideal sind, lassen sich auch Flachdächer und Ost-West-Dächer wirtschaftlich nutzen. Eine fachkundige Beratung hilft dabei, die individuellen Gegebenheiten optimal zu bewerten und die passende Lösung zu finden.